11.5 Hilfe, ich bin unsichtbar
Von König Laurins Mantel, über H.G.Wells "The invisible man", über Filme wie "Hilfe, ich bin unsichtbar" aus den fünfziger Jahren, bis hin zu Harry Potter, der mit seinem Mantel unsichtbar durch die Hallen von Hogwarts wandert ist die Unsichtbarkeit ein uralter Traum, der nur in Science Fiction Büchern und Filmen Realität wurde. Bis jetzt!
Die ersten Ansätze in Richtung Unsichtbarkeit' werden sichtbar (was für ein Wortspiel) und wenn man weiß, dass die US Army über "active camouflaging" spricht und Forschungslabors dafür betreibt, und wenn man den Mantel des Japaners Susumu Tachi von der Universität Tokio gesehen hat, dann wird es klar, dass früher oder später die Zeit der Unsichtbarkeit kommen wird.
Tiere wie Tintenfische passen sich in Farbe und Muster so dem Hintergrund an, dass man sie nicht mehr sehen kann. Ist es so unmöglich etwas Ähnliches mit einem Material zu machen, das man in einen Mantel verarbeitet? Da stünde man also vor einer Wand, die zur Wand gerichteten Sensoren des Mantels geben die aufgenommene Farbinformation an die entsprechenden vorderen Punkte des Mantels ab. Leider ist uns da die Tierwelt, die Biologie weit voraus. Aber wie wäre es mit IT? Wie schaut es aus wenn wir einen Mantel haben, der vorne tausende Öffnungen von winzigen Glasfasern hat, die um den Körper geleitet um den Körper herumschauen lassen? Natürlich gibt es da noch einige kleine' Probleme: es funktioniert sicher nur einwandfrei wenn man genau von vorne darauf sieht, nur wenn man der Körper nach hinten keinen Schatten wirft, und wenn man Lichtverstärker in den Glasfasern hat, weil sonst das Bild vorne (immerhin beansprucht ja auch die Wand der Glasfasern ihren Platz) zu gedämpft erscheint.
Der zurzeit realistischte Ansatz, jener von Susumu Tachi ist ein anderer: man verwendet einen Mantel auf den man das Bild projiziert, das eine Kamera am Rücken der Person aufnimmt! Wie beeindruckend dieser Effekt ist kann man mit etwas Mühe ausprobieren: man hängt sich vorne einen geöffneten Laptop um der also seinen Bildschirm zeigt, und hat am Rücken eine Videokamera, die vom Körper wegzeigt: tatsächlich hat jemand, der vor einer so ausgerüsteten Person steht den Eindruck, man könnte wie bei einem Fester durch die Person hindurch sehen!
Natürlich gibt es auch hier unzählige Probleme: da ist wieder das Problem der Lichtstärke von Computerschirmen, die an die Helligkeit des Tages nicht herankommen. Da ist das Problem, dass das Bild nur stimmt wenn man von der richtigen Entfernung von vorne auf den Bildschirm blickt. So beeindruckend das beschriebene Experiment unter den richtigen Umständen ist, so sehr ist man damit von wirklicher Unsichtbarkeit entfernt. Um die Schwächen zu überbrücken bräuchte man mehrere Kameras, die nach hinten aufnehmen; einen Supercomputer der in Echtzeit daraus ein vollständiges Modell des Hintergrunds berechnet und vorne bei jedem Punkt eine Projektionseinrichtung, die in alle möglichen Richtungen den richtigen Strahl aussendet. Das alles in einem gewaltigen Helligkeitsintervall! Überschlagsrechnungen ergeben: man würde die Auflösung von mehreren 100.000 VGA Schirmen, die Rechenkapazität von hunderten superschnellen PCs brauchen, und damit auch so ungefähr 10 Kilowatt Energie. Selbst wenn das Mooresche Gesetz ungebrochen weitergeht, wird es einige Jahre (ca. 40) benötigen um diese Größenordnungen in den Griff zu kriegen. Aber: nur 40 Jahre!!!
Übrigens, hier ist ein netter Party Scherz: hängen Sie sich einen eingeschalteten aufgeklappten Laptop Computer so um, dass der Bildschirm vor Ihnen sichtbar hängt. Befestigen Sie am Rücken eine Videokamera, die nach hinten gerichtet ist, und das Bild auf dem Bildschirm des Laptops anzeigt: jeder der (richtig positioniert) vor Ihnen steht, sieht durch Sie hindurch, weil er ja das Kamerabild sieht! (Ein bisschen experimentieren ist notwendig: die Beleuchtung muss stimmen, auch muss der Betrachter direkt vor dem Schirm an der richtigen Stelle stehen, und muss die Optik der Kamera entsprechend eingestellt sein.)
Obwohl es (siehe oben) immer bessere High-tech Tarnanzüge geben wird brauchen wir uns also vor Unsichtbaren noch nicht zu fürchten. Und wenn es sie dann gibt, dann rüsten wir uns mit einer Spritzpistole mit roter Farbe aus, spritzen auf den verdächtigen Ort und, siehe da, die Projektionslinsen werden rot verklebt und das Unsichtbare wird sichtbar.
Würde man meinen. Aber da gibt es eben auch noch andere Tricks, die in Richtung "Unsichtbarkeit" gehen, und die gegen Farbspritzpistolen immun sind! Der "realistischste" ist mit Hilfe von futuristischen Drohnen!
Drohnen, also unbemannte Aufklärungsflugzeuge, werde seit vielen Jahren militärisch verwendet: sie sind fernsteuerbar, verfügen über eine hoch auflösende Kamera, häufig über eine Laserrichtmikrophon (mit dem man selbst über große Distanzen sogar durch Fenster in Räume hineinlauschen kann), und sind im militärischen Bereich manchmal sogar bewaffnet, d.h. können (wie schon mehrmals geschehen) selbst sich bewegende Objekte beschießen. Für unsere Zwecke ist die Bewaffnung uninteressant. Was sie futuristisch bedeutsam macht ist die Tatsache, dass sie nicht nur als Beobachtungsgeräte verwendet werden (wie etwas in "XPERTEN 3: Die Parakämpfer") sondern dass sie vielleicht einmal mit einem Holographieprojektor ausgerüstet werden können (wie etwa in "Xperten 2: Der Paradoppelgänger" erläutert) mit dem Dinge oder Menschen von den Drohnen in eine beliebige Umgebung projiziert werden können.
Heutige Drohnen sind noch recht globig. In der XPERTEN- Reihe schrumpfen sie schon zur Größe von Kolibris, in der Fantasie des schon mehrmals erwähnten Ray Kurzweils aber sogar schon zur Insektengröße. Damit ist das folgende Szenario denkbar:
Überall auf der Welt sind solche mit Holographieprojektoren ausgerüstete Minidrohnen stationiert, so wie heute Mietautos.
Ein Freund von mir veranstaltet eine Gartenparty in Wien. Leider habe ich keine Zeit, persönlich von Graz nach Wien zu kommen. Ich miete mir daher eine Minidrohne in Wien. Ich lenke sie zum Garten meines Freundes, setze sie auf den Zweig eines Astes und der Holographieprojektor projiziert mich, wie ich bin, dreidimensional unter die Gästeschar. Ich kann mit dieser reden (über ein Richtmikrophon in der Drohne), höre sie, sehe sie in Graz, sie sehen mich. Es ist fast so als wäre ich anwesend. (Stört es einige Leser, dass ich nicht auch den Gästen die Hand schütteln oder jemand auf die Schulter klopfen kann? Diese Leser müssen noch ein par Jahre zulegen: dann werden nach Kurzweil (siehe Beitrag 11: "60 Prognosen und Thesen", These 23) Nanobot- Schwärme, die man auch angreifen kann, und die auch angreifen können, anstelle von nicht-materiellen Holographieprojektionen verwendet werden.). So also bin ich bei dem Fest meines Freundes virtuell anwesend. Und was hat das mit Unsichtbarkeit zu tun und mit den Romanen der XPERTEN- Reihe? Nun, der Aspekt der Unsichtbarkeit sollte klar sein: ich brauche ja nur den Holographieprojektor ausschalten
dann sehe und höre ich noch alles, kann auch noch reden, bin aber 100% unsichtbar. Und mit der XPERTEN- Reihe? Wenn Sie diese Frage stellen, dann haben sie offenbar noch nicht "Xperten 2: Der Paradoppelgänger" gelesen!